Ruanda, Fahrradfahrer

Ruanda

Typische Frage unter reisebegeisterten Airline Kollegen „Und, wo geht’s bei Dir als nächstes hin?“ Untypische Antwort „Nach Ruanda.“ Reaktionen: „Äh, wohin noch mal?“ oder „Gibt’s da nicht gerade einen Bürgerkrieg?“

Auf meiner Liste von Ländern, die ich unbedingt noch bereisen will, stand Ruanda jetzt nicht wirklich unter den Top 5 – auch nicht unter den Top 20, wenn ich ehrlich bin – da aber eine Freundin dort ein Praktikum diesen Sommer gemacht hat, war dies ein guter Grund, sich dieses Land einmal genauer anzusehen.

Ruanda, Fahrradfahrer

Abgesehen von dem grausamen Bürgerkrieg in den 90er Jahren, den ich aber auch nur durch den eindrucksvollen Film „Hotel Ruanda“ kannte, war mein Wissen über dieses winzig kleine Land in Afrika auch etwas dürftig, ich war also gespannt.

Mit Brussels Airlines, die gerade in Zentralafrika die meisten Verbindungen ab Europa anbietet, ging es von Brüssel über Kampala (Uganda) nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas.

Ruanda, Franc, Geld

Erste Erkenntnis: 200.000 Franc (200€) in 5.000er Scheinen sind ganz schön viele Scheine

Ich war ja kein Afrika-Neuling, wusste also schon in etwa, was mich erwartet und habe somit auch keinen Kulturschock erlitten – den man vor allem in Kigali als Europäer auch nicht bekommt, denn die Stadt ist unglaublich sauber, aufgeräumt und generell sehr westlich. So sieht man auch nirgendwo die für afrikanische Großstädte so typischen Slums, was mich wirklich erstaunt hat, ist Ruanda doch immer noch eines der ärmsten Länder Afrikas.

Blick auf das hügelige Kigali (Stadtteil Nyamirambo)

Wenn man sich dann aber etwas mehr mit dem Land befasst, versteht man auch warum. Ruanda wird seit Ende des Bürgerkrieges von Paul Kagame und seiner Partei der FPR (Front Patriotique Rwandais) regiert – und das mit eiserner Hand. Die Wahlen werden mit 99% der Stimmen gewonnen, oppositionelle Politiker kommen regelmäßig auf unerklärliche Art und Weise ums Leben und vom Volk hört man generell nur Positives, Spitzeln sei Dank.

Doch in dieser Diktatur passiert nicht nur Schlechtes. Das Land verfügt über eine landesweite Krankenversicherung, die Wirtschaft floriert, das Parlament besteht zu 60% aus Frauen und Müll aufsammeln und Straßen fegen sind in Ruanda Bürgerpflicht – einmal pro Monat müssen alle Einwohner zum landesweiten Putztag ausrücken.

Das Prestige-Projekt Kigalis, der kugelförmige Convention Center – der Bau war ähnlich erfolgreich wie der Bau des BER Flughafens, wurde aber immerhin fertiggestellt 🙂

Meine Gefühle für dieses Land waren also etwas zwiespältig und sind es irgendwie immer noch. Nichtsdestotrotz ist Ruanda ein wunderschönes, herrlich untouristisches Land und davon möchte ich jetzt nun ein bisschen berichten:

Ruanda wird auch das Land der tausend Hügel genannt und so verteilt sich auch die Hauptstadt Kigali (die Einheimischen sprechen es „Chigali“ aus) auf mehreren Hügeln. Die Stadt erlaufen, wie ich es sonst eigentlich immer gerne mache, ist hier also nicht ganz so einfach, bzw. muss man dann doch ein paar Höhenmeter in Kauf nehmen. Ich habe also meistens die Backpacker-Variante gewählt und mich von einem Moto-Fahrer zu den jeweiligen Orten fahren lassen.

Ohne Weste bedeutet no risk no fun, mit roter Weste bedeutet, no risk no fun mit offizieller Registrierung 🙂

Gerade bei einem begrenzten Budget sind die Motos verlockend günstig (pro Fahrt zahlt man meistens nicht mehr als 1€), ganz ungefährlich ist es aber sicherlich nicht, vor allem da man von den Fahrern einen Helm bekommt, der gefühlt 10 Nummern zu groß ist… 🙂

Neben dem Genocide Memorial, was man unbedingt besuchen sollte, haben mir in Kigali zwei Dinge besonders gut gefallen:

Der Women’s Center im Stadtteil Nyamirambo
Die lokale NGO unterstützt benachteiligte Frauen, bietet kostenlose Weiterbildungen in Englisch und verschiedenen Handwerkskünsten an und betreibt auch einen eigenen Craft Center, wo ebensolche Frauen hochwertige afrikanische Kleidung und Accessoires herstellen. Zudem werden Führungen durch Nyamirambo angeboten, die sich wirklich lohnen. Hier hatte ich dann auch endlich mal das Gefühl in Afrika zu sein, denn Nymirambo ist laut, trubelig, staubig und wesentlich ärmer als andere Stadtteile. Auf der Tour besucht man lokale Geschäfte, erfährt viel über das Leben und die Bewohner Nyamirambos und bekommt im Anschluss noch ein leckeres Mittagessen mit zahlreichen lokalen Köstlichkeiten serviert.

Die Schneiderei des Nyamirambo Women’s Centers

Wer würde da nicht gerne sein Fleisch kaufen?

„The shit“ in Ruanda, Milchbars

Der Markt von Kimironko
Ein Kilo Maracujas für 1€, eine riesige Avocado für 30 Cent und eine maßgeschneiderte Jacke für 20€ – auf den großen Markt in Kimironko zieht es wirklich jeden, denn hier kann man shoppen bis zum Umfallen. Neben dem großen Angebot an Obst und Gemüse – von dem ich immer noch sehnsuchtsvoll träume – ist das Highlight sicherlich der Stoffmarkt. Hier kann man sich, nachdem man sich für einen der Tausenden Stoffe entschieden hat (unglaublich schwer, sag ich Euch!),  eine Jacke, ein Kleid oder was auch immer schneidern lassen und besitzt dann ein echtes Unikat.

Braucht jemand Kartoffeln?

Hach!

Eines meiner Unikate

Und sonst so? Weitere Highlights

Ich wollte mir in Ruanda natürlich nicht nur die Hauptstadt ansehen und deshalb haben wir ein paar Touren geplant. Zunächst ging es für ein paar Tage in den Süden zum Nyungwe Nationalpark. Der Bergregenwald liegt auf 1.600 – 2.950 Metern Höhe und beheimatet 13 Primatenarten, die sich in dem grünen Dickicht natürlich unglaublich gut verstecken können – viel davon gesehen haben wir also nicht.

Durch saftig grüne Teeplantagen geht es hinein in den Regenwald

So ein Regenwald sieht oft einfach nur aus wie ein stinknormaler Wald, ab und zu dann aber auch nicht

Mein Highlight bei diesem Ausflug war aber die zweite Nacht, die wir zeltend mitten im stockdunklen Regenwald verbracht habe. Die Parkverwaltung hat netterweise das Lagerfeuer zum Brennen gebracht, irgendeiner hatte natürlich eine Gitarre dabei, Bier gabs auch und mit dem afrikanischen Sternenhimmel wäre es dann einfach nur noch kitschig gewesen – die dichte Wolkendecke hat das aber verhindert und somit war es einfach nur ein supertolles Erlebnis! 🙂

Hier trägt man wirklich alles auf dem Kopf, selbst Rucksäcke

Auf dem Rückweg nach Kigali haben wir dann noch einen Abstecher am Kivu See gemacht, dem größten See Ruandas. Der See bildet die Grenze zum Kongo und gehört zu den großen afrikanischen Seen. Bei allen Seen in Ruanda besteht die Gefahr von Bilharziose, auf ein Bad im See sollte man also lieber verzichten und stattdessen die schöne Aussicht genießen.

Seeblick von Kibuye

Kurz vor der Rückkehr nach Kigali ist dann natürlich das passiert, was man sich so gar nicht wünscht: Unser Auto, das schon auf der Hinfahrt etwas rumgezickt hat, gab endgültig den Geist auf. Mitten im Feierabendverkehr in einem der unsichersten Vierteln Kigalis 🙂 Natürlich wurden wir sofort umringt von Schaulustigen und (angeblichen) Mechanikern – die uns aber tatsächlich helfen konnten. Hat natürlich was gekostet –  Geld und Nerven – aber am Ende konnten wir weiterfahren und waren um ein Erlebnis reicher 🙂

Dieses Erlebnis hat uns dann aber gelehrt, dass es doch Sinn machen kann, ein Auto mit Fahrer zu mieten, was wir dann für den nächsten Ausflug auch gemacht haben.

Zeit für eine Safari

Da man ja nicht nach Afrika reisen kann, ohne ein paar wilde Tiere gesehen zu haben, war ein Besuch im Akagera Nationalpark natürlich Pflicht! Mit dem Tierreichtum der Nationalparks von Tansania oder Kenia kann der kleine Akagera natürlich nicht mithalten, dafür sind aber auch lang nicht so viele Besucher da, was auch schön ist.

Achtung, Zebrastreifen!

 

Und dann war das Ruanda-Abenteuer auch schon wieder zu Ende. Nachdem ich mich noch mit ordentlich viel Mangos, Avocados und Maracujas eingedeckt hatte, ging es zurück nach Deutschland.

Die ersten Wochen kam mir das Ganze vor wie ein Traum – „War ich wirklich grad mitten in Afrika?“, „Habe ich wirklich im Regenwald gezeltet?“  – es hat ein bisschen gedauert, um das alles zu verarbeiten, denn auch wenn Ruanda ein einfaches Land zum Reisen ist (für afrikanische Verhältnisse), ist es doch vor allem ein sehr armes Land.

Zum Schluss noch ein Tipp

Wenn Ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid und mehr Tipps und Infos sucht, kann ich Euch den Blog Living in Kigali empfehlen. Hier gibts wirklich zu jedem Thema den passenden Artikel.

Ach ja, falls Ihr euch fragt, warum ich mir nicht die Berggorillas angeschaut habe (Top-Highlight von Ruanda), dann verrate ich euch gerne noch, dass so ein Ausflug 1.500$ kostet. Pro Person versteht sich 🙂

 

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